Dieser Testbericht wurde ca. 1 Jahr nach Erhalt meines Fahrzeuges erstellt (Kauf Juni 2001). Zu dieser Zeit gab es nicht soviel Auswahl an ATV's und Quads. Mit der Zeit wurden viele Modelle überarbeitet sowie verbessert und können nach jetzigem Standard von geschriebenem abweichen.

Als ich damals im Laden eines grossen Quadhändlers stand und nur noch an jeder Ecke Quads und ATVs standen sah, mußte ich mir erst einmal klar werden, was ich eigentlich für ein Fahrzeug wollte.
Ich gehöre nicht zu denen, die Benzin und Öl im Blut haben, die erst einmal den Motor auseinandernehmen und jede Schraube zärtlich streicheln und dann beginnen, an ihrem Fahrzeug rumzuschrauben, einzustellen und zu tunen.
Ich gehöre zu denen, die sich überlegen: "Wie kann ich Spaß und Arbeit miteinander verbinden".
Ich möchte gern im Gelände fahren, möchte etwas Trail fahren, lege nicht allzu großen Wert auf Lichtgeschwindigkeit - will aber auch nicht von jedem Traktor auf der Landstrasse überholt werden; ich will mit dem Fahrzeug zur Arbeit fahren, zwischendurch einen Anhänger ziehen und vielleicht auch Schneeräumen. Ach ja, wenn schon, denn schon: Allrad.
Nach reiflicher Überlegung und Preis/Leistungsverhältnis standen noch folgende ATV's zur Auswahl:
Yamaha Big Bear, Yamaha Kodiak, Kawasaki KVF 400.
Natürlich hätte mich auch die Grizzly 600 von Yamaha gereizt, aber irgendwo muß man eben zwischen Wunsch und Finanzen Abstriche machen.
Der Unterschied zwischen Big Bear und Kodiak war die etwas bessere Ausstattung des Kodiak und was sich im Laufe der Zeit als sehr grosser Vorteil herausgestellt hatte:
Die Kodiak hat durchgehende Trittflächen zwischen den Kotflügeln, die Big Bear hat nur eine Art Fußrasten. Beim Geländefahren haben sich die durchgehenden Trittflächen als sichere Standflächen erwiesen - besonders bei Sprüngen (das schmerzliche Gefühl kennen besonders die Quad-Cross-Fahrer, wenn sie nach einem Sprung von den Fußrasten abrutschen).
Weiterer Vorteil: Wenn das Körpergewicht z.B. beim Trailfahren auf eine Seite verlagert werden muß (da man mal wieder vergessen hat, daß man nicht an einem Hang quer in Schräglage fahren soll).
Desweiteren war der Preis zwischen Kodiak 400 und Big Bear nicht sehr groß. Warum ich dann die Kodiak gegenüber der Kawa zum damaligen Zeitpunkt bevorzugt habe, lag an dem zuschaltbaren Allradantrieb. Bei der Kawa gab es nur permanenten Allrad.
Damals ging ich von einem Einsatz von 60 % Strasse und 40 % Gelände aus. Ich denke, dies dürfte jedem einleuchten, daß die Beanspruchung der vorderen Antriebstechnik sowie der Vorderreifen bei permanent geschaltetem Antrieb höher belastet wird. Mit der Zeit stellt sich heraus, daß der Einsatz bei 70 % Strasse und 30 % Gelände lag. Heute hat auch Kawa zuschaltbaren Antrieb.
Jetzt zum eigentlichen Test:
Die Kodiak ist wie jedes ATV eigentlich für den Geländeeinsatz gedacht. Aber, nachdem in Deutschland ja heutzutage alles zuasphaltiert werden muß, lässt es sich kaum vermeiden, daß man auch auf der Strasse unterwegs ist.
Mein Kodiak ist mit 80 km/h eingetragen. Diese Geschwindigkeit ist für die Fahrt auf öffentlichen Strassen nicht gerade überragend, aber ausreichend.
Das größte Problem ist natürlich der hohe Schwerpunkt bei ATV's gegenüber Quads und somit hebt beim Kurvenfahren auch sehr schnell ein Hinterrad ab - aber man gewöhnt sich daran (außerdem ist es Reifenschonend, besonders da die meisten ATV's hinten eine Starrachse haben). Man kann recht zügig fahren und durch die Automatik muß nur zwischen Rückwärts und Vorwärts umgeschalten werden. Desweiteren ist die Sitzposition etwas höher als bei den meisten Autos und so hat man auch den vorausschauenden Blick.
Erst beim Einbiegen in die Autobahnzufahrt kommt der Wunsch nach Lichtgeschwindigkeit (liegt bei ca. 120 km/h) auf. Hier bist du nicht der König der Autobahn sondern Dracula bei Sonnenaufgang (nach dem Motto: Nichts wie weg hier). Wenn du dann so zwischen zwei 40-Tonnern mit Vollgas und 82 km/h dahinzuckelst, stellen sich dir die Nackenhaare sogar gegen den Fahrtwind und deine Herzfrequenz steigt um das Dreifache.
Also, ich kann nur jedem raten: ATV's mit Höchstgeschwindigkeit unter 100 km/h sollten die Autobahn meiden.
Also fahren wir dort mit dem ATV, wo es hingehört: Ins Gelände.
Am Schönsten ist es, auf geschotterten Feldwegen um die Kurve zu driften. Aber auch die Durchquerung von Gräben und Löchern macht einfach Spaß. Schön, wenn dann noch etwas Morast und Wasserdurchfahrten mit bis zu 50 cm Wassertiefe kommen.

Hier wieder ein Tip von einem kleinen Möchtegern-Umweltschützer (nämlich von mir):
Da ich schon darauf bedacht bin, die Natur zu erhalten und zu schützen, möchte ich an dieser Stelle auch meine Grundsätze für das ATV-Geländefahren darstellen: Gebiete, die in irgendeiner Form durch Hinweise oder Schilder als "Naturschutzgebiet" ausgewiesen sind, werden selbst von mir in grossem Bogen umfahren.
Wer durch Bäche oder Flüsse fährt, sollte sich sicher sein, daß sein Fahrzeug "Öl- und Spritdicht" ist.
Bei Dämmerung und zu bestimmten Jahreszeiten sollte man das Durchfahren des Waldes stark einschränken, da auch das Wild Schonung benötigt (ihr wollt doch auch nicht, daß in eurem Schlafzimmer die ganze Nacht die Wölfe heulen).
Beim Fahren im Gelände stellt man sehr schnell fest, daß das Kodiak auf jeden Fall ausreichend Power für jede Gelegenheit hat und ein sicheres Fahren gewährleistet ist. In den seltensten Fällen ist es notwenig, den Allrad einzuschalten.
Das Zuschalten des Allrads geht recht einfach und sicher per Druckknopf. Soweit ich es aus der englischen Betriebsanleitung heraus interpretieren konnte, kann man den Allrad im Stand als auch bei langsamer Fahrt zuschalten. Somit sollte man z.B. wenn eine Steigung gefahren wird oder ein tiefes Matschloch durchquert, den Allrad schon vorher rechtzeitig einschalten.
Denn manchmal fährt man sich so tief in die Schei... rein, daß ein Anhalten nicht mehr möglich oder zu gefährlich wäre.
Wenn ihr mal bei 45 bis 60 Grad Steigung anhalten müßt und das Fahrzeug nicht sicher gehalten werden kann, wird's brenzlig und unangenehm.
Hier noch eine Eigenart bei allen Yamaha ATV's. Der Umschalthebel für Vorwärts, Vorwärts-Untersetzung, Rückwärts und Parken liegt auf der linken Seite des Fahrzeuges. Irgendwie bin ich es gewohnt, mit der rechten Hand zu schalten. Die Schaltung kann nur mit der linken Handbremse oder mit der Fußbremse geschalten werden. Da die Fußbremse etwas ungeschickt angebracht ist, drücke ich natürlich immer die linke Handbremse zum Schalten. Dadurch hat sich bei mir die Eigenart eingeschlichen, daß ich mit der rechten Hand auf die linke Seite zum Umschalten greife. Ob dies sinnvoll ist, sei mal dahingestellt - aber zum Glück ist es ja eine Automatik.
Da mein Kodiak als Zugmaschine eingetragen ist, will ich dies natürlich auch nutzen. Eingetragen sind Anhängelasten für ungebremsten Anhänger mit 160 kg und gebremste Anhänger mit 580 kg.
Bei mir sind es überwiegend Gartengeräte oder Gartenabfälle, die ich transportiere. Wer mit seinem Fahrzeug und Anhänger gleich mal eine Palette Ziegelsteine transporten will, wird dann schnell merken, daß hier dem Kodiak 400 durch die Automatik etwas Power beim Anfahren fehlt. Es dauert schon geraume Zeit, bis das Fahrzeug auf 50 km/h beschleunigt (wer desöfteren mit Anhänger und hoher Last durch die Gegend fahren muß, wird sich sicherlich nach einem Fahrzeug mit mehr Hubraum umsehen. Nebenbei bemerkt: Man muß natürlich auch noch eines beim Anhängerfahren beachten. Daran denken, daß bei einer Vollbremsung das Material auf dem Hänger sehr schnell nach vorne zum Fahrer kommen kann (wer hat schon gern ein Brett oder die Leiter im Kreuz).
Der Vorteil beim Kodiak liegt darin, daß beim Anfahren auf nassem Untergrund auf die vorhandene Untersetzung umgeschaltet werden kann. Dadurch erhöht sich das Drehmoment bei langsamer Fahrt und es steht mehr Kraft zur Verfügung. Dies ist, wie sich herausstellte, auch Rasenschonend.
Allgemein würde ich sagen für gelegentliche Anhängerfahrten ist das Kodiak sicherlich ausreichend - jedoch bei Dauerbelastung würde ich auch auf mehr Hubraum zurückgreifen wollen. Sicherlich kann man auch mit dem Kodiak im Wald Holzstämme herausziehen oder mit der Winde Material bergen und jede Menge Anbau- und Zusatzgeräte anbauen - da ich dies jedoch nicht getestet habe, werde ich darauf auch nicht weiter eingehen.
Und wer dann immer noch nicht genug vom Fahren mit dem Kodiak hat und seine Frau oder Freundin als Entschädigung auf eine Spazierfahrt mitnehmen muß
(darf), der wird sicherlich mit dem Kodiak voll und ganz zufrieden sein. Es macht auch Spaß zu Zweit über die Lande zu fahren. Dazu kann dann noch für das nächste Quadtreffen jede Menge Gepäck vorne und hinten auf dem Gepäckträger mitgenommen werden und im Winter kann man jede Menge Schlitten anhängen und somit sind auch die Kleinen begeistert.
Fazit:
Wer wie ich, ein Universalfahrzeug mit ausreichend Leistung, praktischen Abmessungen und angenehmen Fahreigenschaften sucht, ist mit der Kodiak sicherlich gut beraten. Der Spritverbrauch liegt bei meinem Fahrzeug bei 9,7 Liter Normalbenzin.
Beim nächsten Kauf würde ich mich aufgrund des Preis/Leistungs/Einsatzverhältnisses wieder für ein Kodiak entscheiden - aber vielleicht diesmal für die 450er.
Ein letzter Tip:
Ich kann nur jedem für den Kauf raten: Laßt euch nicht nur von einem Händler beraten sondern sucht 3 - 4 Händler auf. Es geht nicht immer um dem Kaufpreis. Mir war es auch wichtig, da ich kein ATV-Motor-Guru bin, daß ein entsprechender Service dabei und der Weg zum Quadhändler nicht zu weit ist.
Technische Daten:
Typ: 1-Zylinder 4-Takt
Länge: 1,97 m
Breite: 1,07 m
Hubraum: 401 ccm
Leergewicht: 245 kg
Leistung: 19 KW
Schaltung: Variomatic+Rückwärts
Tankinhalt: 17 Liter Normalbenzin
Kraftübertragung: Kardanwelle
Zuschaltbarer Allradantrieb
Geländeuntersetzung
Starter: E-Start+Handstart
V-Max: 80 Km/h
Autor: Hans